{"id":918,"date":"2020-10-08T18:38:00","date_gmt":"2020-10-08T18:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/bello-ade-in-park-und-see.de\/?page_id=918"},"modified":"2020-10-09T11:15:46","modified_gmt":"2020-10-09T11:15:46","slug":"hundebiss-gefahrdrohend-angesprungen-was-ist-zu-tun","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/bello-ade-in-park-und-see.de\/index.php\/hundebiss-gefahrdrohend-angesprungen-was-ist-zu-tun\/","title":{"rendered":"Hundebiss, gefahrdrohend angesprungen: Was ist zu tun?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-right\"><strong><a href=\"https:\/\/bello-ade-in-park-und-see.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Hundebiss.pdf\">PDF-Version<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>571 Menschen wurden in Berlin im letzten Jahr durch Hundebisse verletzt, davon 71 schwer. Weitere 118 wurden gefahrdrohend angesprungen \u2013 so die offizielle, von den Veterin\u00e4r\u00e4mtern der Bezirke erstellte Statistik. In den vorherigen Jahren waren die Zahlen \u00e4hnlich: Das neue Hundegesetz von 2016 mit versch\u00e4rfter Anleinpflicht hat nicht zu einer Verminderung gef\u00fchrt (<a href=\"https:\/\/www.berlin.de\/sen\/verbraucherschutz\/aufgaben\/tierschutz\/hundehaltung\/hundebiss-statistik-314090.php\">Link<\/a>). Dabei d\u00fcrfte die tats\u00e4chliche Zahl der Hundeattacken sogar noch erheblich gr\u00f6\u00dfer sein, denn: Wer zeigt schon seine Oma an? <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.loc.gov\/pictures\/item\/93511152\/ \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/bello-ade-in-park-und-see.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/dog_bites.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-902\" width=\"351\" height=\"520\"\/><\/a><figcaption>Earl Schuler 1941 (Library of Congress):\nhttps:\/\/www.loc.gov\/pictures\/item\/93511152\/\n<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>90&nbsp;Prozent aller Bissvorf\u00e4lle erfolgen durch Hunde von Verwandten, Nachbarn oder es war sogar der eigene Hund (<a href=\"https:\/\/cdn.aerzteblatt.de\/pdf\/112\/25\/m433.pdf\">Link<\/a>, S. 434). Zudem: Wer holt bei einem kleinen Kratzer schon gleich die Polizei? Gut und gerne kann man davon ausgehen, dass die tats\u00e4chliche Zahl der Hundebisse und des gefahrdrohenden Anspringens mehr als zehnmal gr\u00f6\u00dfer ist \u2013 und damit der Zahl der im Stra\u00dfenverkehr verungl\u00fcckten Radfahrer*innen nahekommt. Wir pl\u00e4dieren daf\u00fcr, jeden Hundebiss und jedes gefahrdrohende Anspringen zur Anzeige zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verniedlichen jedenfalls sollte man Hundebisse und gefahrdrohendes Anspringen nicht. Hundespeichel enth\u00e4lt Bakterien, die beim Menschen zu schweren Infektionen f\u00fchren k\u00f6nnen. Und ein Hund, der derartige Verhaltensweisen zeigt, wird es auch wieder tun. Gef\u00e4hrdet sind insbesondere Kinder. 25 Prozent der Opfer von Hundebissen sind Kinder unter sechs Jahren und 34&nbsp;Prozent sind zwischen sechs und 17 Jahre alt. Kleinen Kindern wird besonders h\u00e4ufig in den Hals und den Kopf gebissen, \u00e4lteren in Arme und Beine (<a href=\"https:\/\/cdn.aerzteblatt.de\/pdf\/112\/25\/m433.pdf\">Link<\/a>). Allein zum Schutz der Kinder sollten u.E. s\u00e4mtliche Vorf\u00e4lle angezeigt werden. Auch Anzeigen \u201egegen Unbekannt\u201c machen Sinn, werden so doch die Veterin\u00e4r\u00e4mter darauf aufmerksam, wo sich Derartiges h\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>           <\/p>\n\n\n\n<p>           <\/p>\n\n\n\n<p>       <\/p>\n\n\n\n<p>    <\/p>\n\n\n\n<p>    <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie verhalte ich mich in der Situation?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Sich den Ausweis des Hundehalters\/der Hundehalterin zeigen lassen und die Angaben notieren.<\/li><li>Die Adressen von Zeugen und Zeuginnen notieren.<\/li><li>Die Polizei rufen und Anzeige erstatten.<\/li><li>Den Hund, den Ort des Geschehens und ggf. auch den Hundehalter\/die Hundehalterin fotografieren. (Hierzu bitte die Erl\u00e4uterungen unten beachten!)<\/li><li>Die Bisswunde, Sch\u00e4den an der Kleidung usw. fotografisch festhalten.<\/li><li>Eine Arztpraxis aufsuchen: Wunden, und seien sie noch so klein, m\u00fcssen unbedingt desinfiziert und weiter beobachtet werden. Au\u00dferdem k\u00f6nnte eine \u00e4rztliche Bescheinigung sp\u00e4ter wichtig sein.<\/li><li>Zu Hause ein Ged\u00e4chtnisprotokoll anfertigen. Was hat der Hundehalter bzw. die Hundehalterin gesagt? War er\/sie betroffen, hat sich entschuldigt oder wurde vielleicht sogar frech?<\/li><li>Das Veterin\u00e4ramt der Gemeinde informieren, damit dieses pr\u00fcft, ob der Hund schon \u00f6fters auff\u00e4llig geworden ist und ggf. Ma\u00dfnahmen ergreift. (Macht eigentlich auch die Polizei, aber wer wei\u00df.)<\/li><li>Einen Rechtsbeistand konsultieren.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei manchem kleinen Kratzer ist es mit Desinfektion und einem Pflaster getan \u2013 aber l\u00e4ngst nicht immer. Je nach Studie kommt es in 5 bis 25 Prozent der F\u00e4lle zu schweren Infektionen (<a href=\"https:\/\/cdn.aerzteblatt.de\/pdf\/112\/25\/m433.pdf\">Link<\/a>, S. 435). So wird in der Presse z.B. von einem 6-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen berichtet, das zun\u00e4chst nur eine fingernagelgro\u00dfe Wunde hatte, dem aber gro\u00dfe Teile des Gesichts entfernt werden mussten, weil das Gewebe abstarb. Tragisch auch F\u00e4lle, wo aus demselben Grund Gliedma\u00dfen amputiert werden mussten oder wo der Hundebiss so tief war, dass Sehnen, Muskeln und Nervenbahnen f\u00fcr immer zerst\u00f6rt wurden. Hier geht es letztlich auch ums Geld, um Arzt- und Krankenhauskosten, Lohnausfall und Schmerzensgeld. L\u00e4ngst nicht jeder Hundehaltende hat eine Hundehaftpflichtversicherung; in manchen Bundesl\u00e4ndern ist eine solche nicht einmal vorgeschrieben. In Berlin ist sie zwar Pflicht, aber es wird nicht kontrolliert, ob eine vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Fotografieren bitte beachten: Jeder hat das \u201eRecht am eigenen Bild\u201c. Grunds\u00e4tzlich darf man niemanden fotografieren, der damit nicht einverstanden ist. Zwecks Aufkl\u00e4rung einer Straftat und zur Erlangung eines Beweismittels f\u00fcr einen eventuellen Zivilprozess k\u00f6nnen solche Fotos jedoch zul\u00e4ssig sein, insbesondere wenn man selbst gesch\u00e4digt wurde (<a href=\"https:\/\/www.kostenlose-urteile.de\/KG-Berlin_12-U-127779_Das-Fotografieren-einer-Person-in-der-Oeffentlichkeit-kann-zu-Beweiszwecken-erlaubt-sein.news18496.htm\">Link<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/lgs\/bonn\/lg_bonn\/j2015\/5_S_47_14_Urteil_20150107.html\">Link<\/a>). Diese Fotos sollten Sie jedoch auf keinen Fall ver\u00f6ffentlichen, auch nicht z.B. dem Freundeskreis auf Facebook etc. zug\u00e4nglich machen. Sie geh\u00f6ren ausschlie\u00dflich in die H\u00e4nde von Polizei und Gerichtsbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zust\u00e4ndig f\u00fcr Hundebisse und gefahrdrohendes Anspringen ist die Polizei, nicht das Ordnungsamt, denn es geht um gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung, eine Straftat. Nach Pr\u00fcfung der Unterlagen wird die Staatsanwaltschaft ggf. Anklage erheben, wobei Sie sicherlich dazu aufgefordert werden, Ihre Erlebnisse vor Gericht zu schildern. Unser Rat ist, nicht nur zeitnah die Vorg\u00e4nge zu protokollieren, sondern auch einen Rechtsbeistand hinzuzuziehen. Er wird Sie nicht nur \u00fcber den Ablauf des Strafprozesses und Ihre Verpflichtungen und M\u00f6glichkeiten als Zeuge\/Zeugin informieren, sondern auch mit Ihnen kl\u00e4ren, ob Sie zivilrechtliche Anspr\u00fcche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem empfehlen wir prophylaktisch, die eigene Privathaftpflicht dahingehend zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie eine Forderungsausfalldeckung enth\u00e4lt, was bei \u00e4lteren Vertr\u00e4gen h\u00e4ufig nicht der Fall ist. Eine solche w\u00fcrde ggf. einspringen, wenn beim Hundehalter bzw. der Hundehalterin \u201enichts zu holen\u201c ist. Es geht schlie\u00dflich nicht immer nur um ein paar Euro, sondern ein Hundebiss kann im Extremfall auch zur Erwerbsunf\u00e4higkeit f\u00fchren (<a href=\"https:\/\/www.oz-online.de\/-news\/artikel\/682254\/Der-wuetende-Dobermann-hat-ihr-Leben-zerstoert\">Link<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Einen eindeutigen Beleg, welche Hunderassen am h\u00e4ufigsten Menschen bei\u00dfen oder gef\u00e4hrden, gibt es nicht. In der Senatsstatistik von 2019 sind es nach den nicht zuzuordnenden Mischlingen Deutsche Sch\u00e4ferhunde (69), Golden\/Labrador Retriever (37), Parson Russel Terrier\/Jack Russel Terrier (33), American Staffordshire Terrier (20, ein Kampfhund) und Dackel (16), aber niemand wei\u00df, wie viele Hunde dieser Rassen es in der Stadt gibt, wie viel Prozent der jeweiligen Rassen zubei\u00dfen. In einer Studie aus Nordrhein-Westfahlen, in der die angezeigten Hundebisse auf die Zahl der angemeldeten Hunde bezogen wurden, erwies sich ebenfalls der Sch\u00e4ferhund als besonders bissig (<a href=\"https:\/\/www.umwelt.nrw.de\/fileadmin\/redaktion\/PDFs\/landwirtschaft\/tierhaltung_tierschutz\/landeshundestatistik_nrw_bericht_2017.pdf\">Link<\/a>). Kleine Hunde sollte man aber keinesfalls aus dem Blick verlieren. Eine Befragung von Hundehaltenden in den USA ergab, dass kleine Hunde wie Dackel, Chihuahas, Jack-Russell-Terrier, Australian Shepherds, Cocker Spaniel und Beagles zu den aggressivsten Rassen z\u00e4hlen (<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0168159108001147?via%3Dihub\">Link<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Und bitte nicht vergessen: Schuldig ist nicht der Hund, sondern schuldig sind die Hundehaltenden, diejenigen, die den Hund eben nicht \u201egehalten\u201c haben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Hund \u201estellt eine Gefahrenquelle dar, er ist in seinem Verhalten nicht vernunftgesteuert und im Allgemeinen unberechenbar\u201c. Daher \u201eist der Halter eines Hundes verpflichtet, diesen so zu \u00fcberwachen, dass Verletzungen und Sch\u00e4digungen Dritter verhindert werden\u201c, <\/em>so das Oberlandesgericht Hamm (<a href=\"http:\/\/www.ra-kotz.de\/hundebiss1.htm\">Link<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00f6ffentlicht am 8.10.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF-Version 571 Menschen wurden in Berlin im letzten Jahr durch Hundebisse verletzt, davon 71 schwer. Weitere 118 wurden gefahrdrohend angesprungen \u2013 so die offizielle, von den Veterin\u00e4r\u00e4mtern der Bezirke erstellte Statistik. 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