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Öffentlicher Personen-Nahverkehr in Berlin

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Schaut man in die Details so mancher Regelungen, wird schnell deutlich, dass Lobbyisten der Hundehalter/innen überall in den Recht setzenden Gremien ihre Spuren hinterlassen haben. Ein Beispiel sind die Regelungen im öffentlichen Personen-Nahverkehr: die Preisgestaltung, Bevorzugung von Hundehalter/innen sogar gegenüber Behinderten und die Umwerbung von Hundehalter/innen. Geht es den Unternehmen überhaupt noch um die Personenbeförderung?

Die Preisgestaltung

Preise (2015, AB) bei Mitnahme eines:
Kindes Fahrrads Hundes
Bei Vorliegen
eines Einzelfahr-
scheins
+ 1,70 + 1,80 + 1,70
einer Tageskarte + 1,70 + 1,80 nichts
einer Wochen-
oder Monatskarte
+ 1,70 + 1,80 nichts
Rauchen 15,00
Fehlender Maulkorb 0,00

Berücksichtigt wurde jeweils die einmalige Mitnahme eines Kindes/Fahrrads/Hundes.

  • Fahrräder mitzunehmen kommt am teuersten.
  • Hunde mitzunehmen ist zumeist preiswerter als ein Kind dabeizuhaben.
  • Wer andere Fahrgäste durch Rauchen belästigt, wird belangt. Wer gegen die Maulkorbpflicht verstößt, aber nicht.

Ein Blick über den großen Teich

In New York City  müssen alle Tiere – auch Hunde – in einem verschlossenen Behälter transportiert werden, und zwar unabhängig von ihrer Größe. Der Behälter darf zudem andere Passagiere nicht stören. Wer seinem Hund keine Transportbox zumuten möchte oder seinen 30 Kilo schweren Hund nicht die U-Bahn-Treppe hinunterschleppen will oder kann, muss das Tier zu Hause lassen oder ein Taxi nehmen. Wobei: Taxifahrer/innen sind in NYC – wie auch in Berlin – nicht verpflichtet, Hunde zu transportieren. Einige Unternehmen haben sich aber hier wie dort auf den Transport von Hund und Halter/in spezialisiert.

Wäre es in Berlin möglich durchzusetzen, dass Hunde nur in Transportbehältern mitgeführt werden dürfen? No Way! Die Maulkorbpflicht wird nicht kontrolliert und ein Verstoß sowieso nicht geahndet. Auch Busfahrer/innen lassen Hunde ohne Maulkorb einsteigen. Vielfach laufen Hunde sogar unangeleint in den Bahnen herum, ohne dass jemand einschreitet.

Die Bevorzugung von Hundehalter/innen

Nicht nur bei der Preisgestaltung sind Hundehalter/innen privilegiert, sondern sogar gegenüber Rollstuhlfahrer/innen und Fahrgästen mit Kinderwagen. Wenn diese in einen vollen Zug oder Bus einsteigen wollen, müssen Fahrgäste mit Fahrrädern Platz machen, Fahrgäste mit Hunden aber nicht. Aus den Beförderungsbedingungen:

  • § 11,1: „Wird der Platz für Krankenfahrstühle oder Kinderwagen benötigt, muss der Fahrgast mit dem Fahrrad das Verkehrsmittel verlassen. Ein Anspruch auf Erstattung des bereits gezahlten Beförderungsentgeltes besteht nicht.“
  • § 12,2: „Darüber hinaus dürfen größere Hunde angeleint mitgenommen werden, wenn nach der Beurteilung des Betriebspersonals genügend Platz vorhanden ist.“

Die Bestimmungen zu den Radfahrer/innen sind klar und eindeutig, die zu den Hundehalter/innen dagegen windelweich. Es ist davon auszugehen, dass diese unterschiedlichen Formulierungen bewusst gewählt wurden und Hundehalter/innen mit ihren Hunden zwar der Einstieg verweigert werden kann, sie aber nicht zum Aussteigen gezwungen werden können. Wer denkt sich nur so etwas aus?

Aber wen interessieren schon die Beförderungsbedingungen? Die BVG zumindest wohl nicht, wie deren aktuelle Werbung mit einem Hund ohne Maulkorb auf dem Sitz zeigt.

DSC0046_BVG_-Werbung

Aus den Beförderungsbedingungen:

  • § 12,2: „Hunde, die nicht in geeigneten Behältnissen untergebracht sind, müssen einen Maulkorb tragen.“
  • § 12,5: „Tiere dürfen nicht auf Sitzplätzen untergebracht werden.“

Vielleicht sollte man „ÖPNV“ in „ÖHNV“ umtaufen: Öffentlicher Hunde-Nahverkehr. Es soll übrigens Leute geben, die nicht für den Transport anderer Leute Hunde mitbezahlen wollen. Die meisten Hunde beanspruchen soviel Platz wie Erwachsene, manche auch mehr. Wären die Grunewaldseen nicht so preiswert mit Hund zu erreichen, könnte es eine deutliche Entlastung geben: der Seen und des ÖPNV.